Mittwoch, 17. September 2014

[Rezension] Safaia - Herbstwind Wegen dir Band 1



Der Waldelf Herbst lebt in einem kleinen Dorf mit seiner Familie. Er malt gern und liebt die Natur. Eines Tages spürt er tief in sich eine unbekannte Sehnsucht und verlässt das Dorf. Während seiner Reise landet Herbst in einem Sumpfgebiet und wird von dessen Wächter Nagi überrascht. Später erwacht Herbst im Heim des Wächters, welcher ihn zu einem Pakt überredet. Er soll 3 Monate bei dem Fremden bleiben. Die Zeit vergeht und beide vertrauen sich immer mehr, verlieben sich sogar ineinander. Doch ihre Zweisamkeit wird jäh unterbrochen und es ändert sich alles.


Herbst ist neugierig, aufgeschlossen und sehr interessiert. Er lernt gern neue Dinge kennen bzw. erforscht sie sehr gerne. Herbst hat ein Auge für die Natur und deren Schönheit, weswegen er sie öfters malt. Zusätzlich ist Herbst mit einem generellen Forschungsdrang gesegnet. Auf der einen Seite ist der junge Mann für mich ein diszipliniertes Wesen, welches jedoch zugleich sehr gefühlsbetont in seinem Inneren lebt. Herbst steht hinter seinen Pflichten und hilft, wo es nur geht. Teilweise schwankt der Waldelf zwischen seinem Seelenleben und das was andere wollen. Seine Umgebung bemerkt davon jedoch nichts bzw. zieht sich Herbst hinterher einfach entsprechend zurück.
Wenn Herbst fühlt, dann intensiv und zu 100 % ehrlich. Allerdings dauert es etwas, bis er sich überhaupt bindet, dann jedoch wie bereits erwähnt entsprechend stark. Ich würde mal behaupten der süße Waldelf lässt es bei so was generell lieber Zeit vergehen. Vielmehr lässt sich er sich von Eingebungen leiten und hört auf seine Gefühle. Für mich ist das eine besondere Kraft. Kein Wunder also, dass er vor seiner Reise auf mich wie ein verlorenes Schaf wirkt. Aber je, wozu gibt es Sümpfe und schnucklige Jungs?


Nagi ist das komplette Gegenstück zu Herbst und nicht mit diesem zu vergleichen. Er ist misstrauisch und ausgesprochen vorsichtig. Allerdings, und das hat er mit Herbst gemeinsam, lässt auch Nagi nicht so schnell jemanden zu sich. Leute vertreiben und alleine leben ist ja auch so sinnvoll. Noch etwas verbindet ihn mit Herbst: die Liebe zur Erforschung der Dinge. Der Wächter beschützt sein Reich und die in ihm lebenden Wesen. Als Schamane ist ihm zudem Medizin nicht fremd. Ich konnte in seinem Heim Bücher entdecken. Ob er wohl zaubern kann? Nun, tricksen kann der Gute auf jeden Fall. Bestes Beispiel dafür sind Alarmanlagen oder Ähnliches, um Feinde vorab zu spüren.
Dumm nur, dass Übertreibung bisweilen so einiges versaut oder aber zumindest „schlimmer“ macht, als es ist. Speziell Konkurrenz in Liebesdingen sollte sich lieber vom Acker machen. Es heißt nicht umsonst: „Harte Schale, weicher Kern“. Ich sehe sein Inneres als empfindlich und einsam an. Trotz aller bisherigen Enttäuschungen besitzt er für mich ein Herz, welches ehrliche Gefühle verspricht und an das Gute glaubt. Wenn Nagi verliebt ist, dann richtig und bestimmend. Im Falle eines Falles stellt der Schamane seine eigenen Gefühle hinten an und lässt seinen Liebsten ziehen. Kurz um, er ist der bestimmende Part der Beziehung und will schnell mehr.


Doch genug der Charakteranalyse, kommen wir lieber zur Gestaltung des Einbandes. Auf dem Cover und auf der Mangarückseite befindet sich um das eigentliche Bild herum ein weißer Rahmen. Ich persönlich erachte genau diesen als völlig unnötig. Im Bild selbst ist sowieso weiß enthalten, welchen Sinn macht da der Rand? Mich stört er. Ich hätte das Bild komplett bis an den Rand gezogen. Tipp für weitere Werke: Auf unnötige Gestaltungsmittel verzichten.
Ebenso macht der Banner unter der Inhaltsangabe auf der Rückseite keinen Sinn. Was soll der da? Er fällt a) vom Design her aus dem Rahmen und b) gehört so was an eine andere Stelle. Auch hier der Tipp: Auf unnötige Gestaltungsmittel verzichten oder sie zumindest dem Gesamtdesign anpassen.
Die Inhaltsangabe ist zudem in Großbuchstaben gehalten. Ich persönlich bevorzuge die reguläre Groß- und Kleinschreibung, da sie mir Ruhe bietet und ich Pausen machen kann. Im vorliegenden Fall kann ich mit der reinen Großschreibung sehr gut leben. Es wurde eine passende Schriftart gewählt und auf Auszeichnungen verzichtet. So lasse ich meine eigene Empfindung sehr gerne betrügen. Tipp: Beim nächsten Werk eventuell Blocksatz testen und Seite vorher an Testleser geben zwecks Wirkungsbeurteilung.


Das Cover selbst ist farbig und interessant gestaltet. Titel des Werkes und der Name der Künstlerin wurden durch verschiedene Formen, welche sich innerhalb des Covers wiederholen, integriert. Abgebildet sind die beiden Hauptcharakter Nagi und Herbst in inniger Liebe, welche mittels zarter Geste ausgedrückt wird. Ich mag subtile Botschaften. Was mir hier jedoch weniger gefällt ist die Colo an sich. Versteht mich nicht falsch, Schatten und Co wurden perfekt gesetzt, aber für meinen Geschmack sind die Schatten zu weich und die Strähnen innerhalb der Haare wirken hilflos gesetzt. Auch wenn es böse klingt, so zeichnen auch Anfänger, wenn sie sich erstmals mit dem Thema Strähnen beschäftigen.

Die Story selbst kommt in Schwarz / Weiß daher und arbeitet mit unterschiedlichen Graustufen. Diese Graustufen werden nur durch Flächenfärbungen verdeutlicht. Rasterfolie kommt hier gar nicht zum Einsatz. Ich finde das Schade, denn an einigen Stellen könnte man mit Rasterfolie viel mehr rausholen. Mir fehlt da schlicht weg Plastizität und Leben. Das macht sich besonders bei Seiten mit starkem Weißanteil bemerkbar. Mir ist klar, das s / w nicht farbig ist, aber nur weiß törnt einfach ab. Für das nächste Werk wünsche ich mir mehr Vielfalt, auch in Punkto Bewegungsstriche oder andere Optionen aus dem Bereich. Es ist erstaunlich, wie sehr selbst Kleinigkeiten die Außenwirkung beeinflussen können.


Der Zeichenstil ist durchgehend gleich gut, schwankt jedoch teilweise. Es nicht so, dass er total abfällt, im Gegenteil – oftmals sind es einfach nur Kleinigkeiten. Glückwunsch übrigens zu den süßen Chibis. Die sind putzig und einfach nur herrlich schräg. Ich hoffe sehr, dass diese auch in Zukunft eingesetzt werden.
Nicht nur der Zeichenstil zieht sich durch, ebenso die bereits bei der Rückseitengestaltung angesprochene komplette Großschreibung. Diese wird in den Sprechblasen ebenfalls verwendet und in dem Falle liebe ich es. Die Schriftart ist klar und die Größe genau richtig. Bei einem Blick in frühere Werke fällt auf, dass es dort ebenso ist. Ich würde sagen, da hat jemand sein Erkennungszeichen gefunden.
Ebenso liebe ich die Zeichnerin für ihre Art und Weise Panels zu verwenden. Ich finde beim vorliegenden Werk ganzseitige Panels, übergeordnete Panels, Ausbrüche und vieles mehr. Ich liebe es, wenn Panel nicht starr sind, sich innerhalb der Story bewegen und so die Ereignisse noch mehr unterstützen. Einzig die Hintergründe innerhalb des Panels sind für meinen Geschmack stellenweise zu gleichwertig.


Insgesamt ist Herbstwind ein schönes Werk, welches speziell im Bereich Layout / Gestaltung Potenzial bietet. So wie ich die Werke der Zeichnerin bisher erlebt habe, mache ich mir keine Sorgen, dass dort in Zukunft nichts passiert. Die Story selbst ist echt süß und zuckrig. Mich würden weitere Abenteuer der beiden sehr interessieren, denn mit den Jungs könnte man viel machen. Ich denke auch, dass interessierte Leser für zusätzliche Illus oder andere Extras mehr zahlen würden. Meiner Meinung nach ist „Herbstwind“ das auf jeden Fall wert. Ehe ich es vergesse, bitte die Illus vor einem neuen Kapitel beibehalten.


Zeichnung: 4/5
Einband: 3/5
Emotionen: 3/5
Idee: 5/5
Länge: 5/5
Extras: zusätzliche Illustration am Ende